Aktuelles


Gartenarbeit in Bruck an der Glocknerstraße in den 1910er-Jahren

Elisabeth Gollhammer (geb. Maier, 1889-1975) war mit vier Brüdern im Innviertel in Oberösterreich aufgewachsen. Sie besuchte eine Haushaltungsschule, während des Ersten Weltkriegs arbeitete sie als Wirtschafterin bei einer Arztfamilie in Bruck an der Glocknerstraße in Salzburg. Hier ist die Fotografie entstanden, die sie im Hausgarten mit einem gigantischen Krautkopf zeigt. 1918 heiratete sie den Gendarmeriebeamten Karl Gollhammer (1891-1970), 1918, 1919 und 1921 kamen ihre drei Söhne zur Welt, 1932 ihre Tochter. (SFN NL 173, Bestandsbeschreibung im Meta-Katalog)

Die Fotografie im Garten wurde als Coverbild der Monografie von Jessica Richter zum häuslichen Dienst in Österreich (1880-1938) verwendet, die soeben erschienen ist.


Soeben ist erschienen

 

  • Jessica Richter: Die Produktion besonderer Arbeitskräfte. Auseinandersetzungen um den häuslichen Dienst in Österreich (1880-1938), Berlin 2024 (Web)

Alle Veröffentlichungen (auch) auf der Basis von Quellen aus der Sammlung Frauennachlässe finden Sie hier ...


Vorträge

 

  • Buchpräsentation: Jessica Richter und Mareike Witkowski: Keine Arbeit wie jede andere. Hausangestellte in Österreich und Deutschland im 20. Jahrhundert, 14.03.2024, 18:30 Uhr, Bibliothek der AK Wien, Prinz-Eugen-Str. 20-22, 1040 Wien (Web)

Zuletzt hat stattgefunden:

  • Christa Hämmerle: "Die Gewohnheit, allabendlich in Umrissen die Summe des Tages zu ziehen": Tagebuchschreiben von Frauen als alltägliche Praxis, Workshop "Tagebücher im Horizont sozialer Praktiken", 01.-03.02.2024, Zentrum für interdisziplinäre Forschung, Universität Bielefeld (Web)
  • Li Gerhalter: "Das 4. Kind der Familie Busemann". 'Wissenschaftsgeleitete' Elterntagebücher im frühen 20. Jhd., Workshop "Tagebücher im Horizont sozialer Praktiken", 01.-03.02.2024, Zentrum für interdisziplinäre Forschung, Universität Bielefeld (Web)
  • Lukas Schretter, Nadjeschda Stoffers, Michaela Tasotti und Elke Kastner-Kainovic: Memory Lab – Partizipative Forschung zum Lebensborn-Heim „Wienerwald“, 1938-1945, Projektpräsentation, 24.01.2024, Wien und virtueller Raum (Web)
  • Li Gerhalter: Zum Großteil "alte Männer"? Ein intersektionaler Blick in Vor- und Nachlasssammlungen, Reihe "Lunch Lectures" des Franz-Nabl-Institut für Literaturforschung, 15.01.2024, Universität Graz (KFU)

Eine Auswahl aller bisherigen Vorträge finden Sie hier ...

Alle bisherigen "Tea Hours der Sammlung Frauennachlässe" finden sie hier ... 


Soeben wurde diese Ausstellung eröffnet

 

In dieser Ausstellung ist die Sammlung Frauennachlässe derzeit mit Exponaten vertreten:

  • Aufsässiges Land. Streik, Protest & Eigensinn; Sonderausstellung, 9. Februar bis 29. Dezember 2024 im Museum Arbeitswelt Steyr (Web)

Informationen zu allen bisherigen Ausstellungensbeteiligungen finden Sie hier ...

Die umfangreiche Web-Ausstellung "Der Erste Weltkrieg und das Ende der Habsburgermonarchie" ist weiterhin im Internet zugänglich (Web)


Masterarbeiten und Dissertationen

 

Zuletzt wurde abgeschlossen:

Alle Dissertationen, Master- und Diplomarbeiten finden Sie hier ...

 


Laudatio für Christa Hämmerle

 

Bei der Feier zur Pensionierung von Christa Hämmerle am 6. Oktober 2023 hat em. Prof. Wolfgang Schmale die Laudatio gehalten: Weiterlesen ...


Öffnungszeiten

 

Informationen zu den Öffnungszeiten und Nutzungsmodalitäten finden Sie hier ...


Aktuelle Bestandszahlen

 

Der Bestand der Sammlung Frauennachlässe wird durch neue Vor- und Nachlässe sowie durch Nachreichungen laufend erweitert. Die zuletzt durchgeführte Erhebung der exakten Zahlen der hier dokumentierten Selbszteugnisse hat folgendes ergeben ...

Die Bestände können in einem Ortsregister, einem Dokumentenregister und dem Verbund-Katalog "Meta" online recherchiert werden. Diese beinhalten Informationen zu den Vor- und Nachlässen von 493 Personen.


Lehrveranstaltungen

 

Im Studienjahr 2023/24 wurden und werden Quellen aus der Sammlung Frauennachlässe u.a. in den folgenden Universitäts-Lehrveranstaltung verwendet:

  • Bachelor-Seminar "Von der Magd zur Ärztin? Eine Reise durch die Geschichte von Geschlechter- und Arbeitsverhältnissen (ca. 1500-1970)" im WiSe 2023/24, Tim Rütten (Institut für Geschichte der Univ. Wien) (Vorlesungsverzeichnis)
  • Bachelor-Seminar "Demokratie in der Neuzeit" im WiSe 2023/24, Tim Neu (Institut für Geschichte der Univ. Wien) (Vorlesungsverzeichnis)
  • Bachelor-Seminar "Von Pionierinnen der St. Pöltner Kinder- und Jugendfürsorge und ledigen Müttern als ihren Fällen: Ein Beitrag zur lokalen Geschlechtergeschichte zu den Erfahrungen lediger Mütter mit dem Jugendamt" im WiSe 2023/24, Anne Unterwurzbacher und Nadjeschda Stoffers (Ilse Arlt Institut für Soziale Inklusionsforschung, FH St. Pölten) (Vorlesungsverzeichnis)
  • Kurs "Geschichtswissenschaftliche Arbeitstechniken und Archivkunde" im WiSe 2023/24, Julia-Anna Tyll-Schranz (Fakultätszentrum für transdisziplinäre historisch-kulturwissenschaftliche Studien, Universität Wien) (Vorlesungsverzeichnis)
  • Übung: Was ist ein Archiv? im WiSe 2023/24, Noémie Etienne (Fakultätszentrum für transdisziplinäre historisch-kulturwissenschaftliche Studien, Universität Wien) (Vorlesungsverzeichnis)
  • Bachelor-Seminar "Selbstzeugnisse des 19. und 20. Jhds.: Traditionen, Formen, Inhalte" im SoSe 2023, Christa Hämmerle (Institut für Geschichte der Univ. Wien) (Vorlesungsverzeichnis)
  • Übung "Guided Reading: Selbstzeugnisse als Quellen der Frauen- und Geschlechtergeschichte" im SoSe 2023, Li Gerhalter (Institut für Geschichte der Univ. Wien) (Vorlesungsverzeichnis)

Weitere Lehrveranstaltungen finden Sie hier ...


Medienberichte

 

  • Katrin Kuba: Schau' ich Dein Götterantlitz lichtumwoben! Interview mit Christa Hämmerle zum Thema "Paarkorrespondenzen", in: Schaufenster Kultur.Region 2/2023, S. 51-53. (PDF)
  • Beatrice Fuchs: Interview mit Christa Hämmerle zum Thema "Kriegsbegeisterung 1914" für die Fernsehreihe "Zwischen Lüge und Wahrheit - Desinformation in Österreichs Geschichte", ORF III, 10. Juni 2023 (Web)
  • Ulrike Schmitzer: Interview mit Christa Hämmerle zum Thema "Elise Richter. Die erste Universitätsprofessorin", Sendung "Radiokolleg", Reihe "Frauen mit Courage - Der Kampf ums Wissen (3)", Radio Ö1, 24. Mai 2023 (Web)
  • Silvia Heimader: Interview mit Christa Hämmerle zum Thema "Erster Weltkrieg: Als eine Frau Soldat wurde", auf: orf.at, 17. Mai 2023. (Web)
  • Ulrike Sträter: Tagebücher als kulturelles Erbe, in: Badische Zeitung, 12. April 2023, o.S.
  • Artur Stolinsky (Text) und Tanja Gattnar (Grafik): Interview mit Li Gerhalter zum Thema "Tagebücher von Kindern", in: Kinderzeitung der Stuttgarter Nachrichten, 31. März 2023, S. 8-12.

Weitere Medienberichte (Print oder online) über die Arbeit oder die Bestände der Sammlung Frauennachlässe finden Sie hier ...

Weitere Radio- oder Fernsehberichte über die Arbeit oder die Bestände der Sammlung Frauennachlässe finden Sie hier ...


Käthe Leichter-Preis 2022 für Li Gerhalter

 

  • Die Betreuerin und stv. Leiterin der Sammlung Frauennachlässe Li Gerhalter wurde im Dezember 2022 mit dem Käthe Leichter-Preis der Arbeiterkammer Wien 2022 ausgezeichnet. Die Käthe Leichter-Preise werden seit 1991 vergeben und "zeichnen insbesondere bedeutende Leistungen im Bereich der Frauen- und Geschlechterforschung sowie Leistungen im Bereich der Gleichstellung in der Arbeitswelt aus" (Web)

Weitere Auszeichnungen - jeweils von Forschungsarbeiten, die auf Quellen aus der Sammlung Frauennachlässe aufgebaut wurden - finden Sie hier ...


Nachruf auf Christine Karner 

 

Wir trauern um Christine Karner, die am 15. August 2022 im 72. Lebensjahr in Wien verstorben ist.

Christine Karner war eine immer liebenswürdige und humorvolle Kollegin sowie eine ungemein belesene und neugierige Forscherin, wie wir es auch in der Sammlung Frauennachlässe und der Forschungsplattform "Neuverortung der Frauen- und Geschlechtergeschichte im veränderten europäischen Kontext" (2006-2012, Link) erfahren durften. Sie hat schon unsere 2010 unter dem Titel "Apokalyptische Jahre" erschienene Edition der zwischen 1938 bis 1946 verfassten Tagebücher von Therese Lindenberg (1892-1980, Link) kundig begleitet und für das umfangreiche Register wertvolle biografische Recherchen durchgeführt.

Daran anschließend widmete sich Christine Karner einem eigenen, zunächst von Edith Saurer (1942-2011) geleiteten Projekt, nämlich der besonders aufwendigen Erschließung der Tagebücher von Elise Richter, der ersten habilitierten Frau Österreichs (1865-1943). Die Fertigstellung des Buchmanuskripts zu einer Biografie auf der Basis dieser Tagebücher hat sie in den letzten Jahren ihrer schweren Krankheit stetig beschäftigt und begleitet; ihr Wunsch, das Manuskript druckfertig übergeben zu können, hat sich leider nicht mehr erfüllt. Wir werden uns im Sinne eines Vermächtnisses von Christine Karner darum bemühen, dass es dennoch erscheinen kann.


Galerie

 

Im Menüpunkt "Galerie" finden Sie eine Zusammenstellung der verschiedenen Online-Formate, in denen seit 2002 Quellen aus der Sammlung Frauennachlässe im Internet zugänglich gemacht worden sind.

Hier finden Sie u.a. die Edition "Der Erste Weltkrieg in Selbstzeugnissen", die als Weblog von 2014 bis 2019 veröffentlicht wurde. Enthalten sind hier 226 Einträge aus Tagebüchern und 220 aus Korrespondenzstücken aus 20 verschiedenen Beständen der Sammlung Frauennachlässe. Link zur Galerie ...


Netzwerke 

 

Die Vernetzung mit ähnlichen Sammlungen und Archiven in ganz Europa ist ein ausgesprochenes Ziel der Sammlung Frauennachlässe. Informationen darüber, in welchen Netzwerken sie Mitglied ist, finden Sie hier ...

Eine Aufstellung der Webseiten von anderen Sammlungen und Archiveinrichtungen finden Sie hier ...


Radio- und Fernsehberichte oder -sendungen

 

Radio- und Fernsehberichte über die Arbeit der Sammlung Frauennachlässe - zum Teil auch zum Nachhören oder -sehen - finden Sie hier ...


Monografien

 

 

Tagebücher werden seit 1800 wissenschaftlich ausgewertet. Wiederholt ist das in den Anfangsphasen neuer Fächer zu beobachten. Die Absichten der Forscher:innen waren dabei jeweils unterschiedlich: Die Kleinkinderforschung des 19. Jahrhunderts und die Jugendpsychologie ab 1920 haben maßgebende Thesen über ›Normalverläufe‹ der menschlichen Entwicklung auf Selbstzeugnissen aufgebaut. Die Alltags-, die Sozial- und die Frauengeschichte suchten darin ab den 1980er-Jahren Spuren individueller Lebensgeschichten. Seither sind umfangreiche Sammlungen entstanden, die heute eine ausdifferenzierte Auto/Biografieforschung ermöglichen. Li Gerhalter nimmt als Akteur:innen dieser vielseitigen Geschichte neben Wissenschafter:innen und Sammler:innen auch jene Personen in den Blick, die Tagebücher zur Verfügung gestellt haben. Mit diesem Buch über die facettenreiche Tagebuchforschung gibt sie Einblicke in zeitgebundene Forschungspraktiken.

In 1911, Thekla E. Scholz migrated at the age of 23 from her rural village in Upper Silesia to work as a maid in the United States. She and her husband Robert J. Kiefer, an itinerate cabinet maker and musician, settled in Kansas City after he served in the German Army during the First World War. Thanks to Thekla Scholz’s lifelong habit of preserving holy cards, letters, photographs, and postcards, scholars can study her migration and subsequent life in Missouri as well as the ongoing challenges faced by her family and friends in both countries.

In 2020, the Robert J. Kiefer and Thekla E. Scholz Collection became the primary focus of a collaborative international online research seminar and project involving four faculty members and more than thirty graduate students in art history, ethnography, history, and public history from the Universities of Hamburg, Vienna, Wroclaw, Missouri-Kansas City and -St. Louis. German Migration to Missouri 2.0 consists of student-authored microhistories focusing on this one German-American family. It offers rare glimpses into the experience of German-American migration and acculturation through the lens of a fascinating working-class woman.

Mit Beiträgen von: Andrew S. Bergerson, Li Gerhalter und Thorsten Logge; Katharina Burgstaller-Mühlbacher, Tim Finke, Zoe Honeck and Maymouna Tine-Lehmann; Emily Bucher, Linda Goldnagl, Saskia Pacher and Christopher Steinbiss; Kathleen Foster, Alexandra E. Impris, Gary C. Sharp and Bob Swearengin; Karen Johnson, Maria Prchal, Maren Sacherer and Zehua Yin; Orhan Akkaya, Alexandra Kern, Barbara Tobler and Michele Valentine.

In den Jahrzehnten um 1900 erfuhr der Alltag großer Bevölkerungsteile tiefgreifende Veränderungen. Sie betrafen die Arbeit genauso wie den Konsum. Anhand von rund einhundert Tagebüchern aus dem deutschsprachigen Raum untersucht Peter-Paul Bänziger, wie die Menschen ihren Alltag wahrnahmen. In ihren Augen sollte das Leben vor allem Spaß machen und Abwechslung bringen - in der Freizeit genauso wie am Arbeitsplatz. Zusammen mit Kolleginnen und Kollegen wollte man eine gute Zeit verbringen. Nur noch eine untergeordnete Rolle spielte hingegen der bürgerliche Wert einer allgemeinen Arbeitsamkeit, von dem so viele Tagebücher des 19. Jahrhunderts geprägt waren. In der Freizeit stand die Intensität des Moments im Zentrum. Man suchte angenehme Unterhaltungen, keine wertvollen Kunstgenüsse. Bänziger folgt der Geschichte dieser modernen Erlebnisorientierung. Er gewährt Einblicke in das Denken, Handeln und Fühlen von Menschen aus den unterschiedlichsten Bevölkerungsgruppen und bringt so die »kleinen« historischen Akteurinnen und Akteure ins Zentrum der Aufmerksamkeit.

  • Andrea Althaus: Vom Glück in der Schweiz? Weibliche Arbeitsmigration aus Deutschland und Österreich (1920-1965), Frankfurt a. M. 2017.
  • Link zur Verlagsankündigung

Bis weit in die 1960er-Jahre hinein stammte ein Großteil der weiblichen Haus- und Gastgewerbsangestellten in der Schweiz aus Deutschland und Österreich. Anhand lebensgeschichtlicher Erzählungen untersucht Andrea Althaus die Deutungen der Arbeitsund Lebenserfahrungen dieser Migrantinnen. In ihrer gendersensiblen Analyse der weiblichen Arbeitsmigration eröffnet sie zugleich einen neuen Blick auf die schweizerische Migrationspolitik und Überfremdungsdiskurse im 20. Jahrhundert.

  • Vida Bakondy: Montagen der Vergangenheit Flucht, Exil und Holocaust in den Fotoalben der Wiener Hakoah-Schwimmerin Fritzi Löwy (1910-1994), Göttingen 2017.
  • Link zur Verlagsankündigung

Mitte der 1990er Jahre tauchten auf einem Flohmarkt bei Wien Fotoalben und ein paar lose Albumblätter auf, die aus dem Besitz der österreichischen Schwimmlegende Fritzi Löwy (1910-1994) stammten. Jene zwei Alben, die Löwy nach ihrer Rückkehr aus dem Exil erstellt hatte, stehen im Mittelpunkt des Buches. Sie sind der Erinnerung an ihre eigene Flucht vor der NS-Verfolgung sowie dem Gedenken an Familienmitglieder, Freunde und Freundinnen gewidmet, die im Holocaust ermordet wurden oder im Exil über die ganze Welt verstreut waren.

Die Historikerin Vida Bakondy diskutiert Potenziale und Grenzen von Fotoalben als historische und biografische Quellen sowie als spezifisches Erinnerungsmedium – mit dem Fokus auf Fragen zur Darstellung von Holocaust und Exil. Löwys Alben eröffnen nicht nur eine neue, sehr persönliche biographische Perspektive auf den einstigen Schwimmstar der Wiener Hakoah, sondern sie schaffen auch neue Erzählungen im Bereich des (visuellen) Gedächtnisses über NS-Verfolgung und Holocaust in Österreich.

  • Ingrid Bauer und Christa Hämmerle (Hg.): Liebe schreiben. Paarkorrespondenzen im Kontext des 19. und 20. Jahrhunderts, Göttingen 2017.
  • Link zur Verlagsankündigung

Mit Beiträgen von Barbara Asen, Ingrid Bauer, Christa Hämmerle, Ines Rebhan-Glück, Brigitte Semanek und Nina Verheyen.

Im ›Zeitalter der Briefe‹ spielte das Korrespondieren eine bedeutungsvolle Rolle, um Liebesbeziehungen anzubahnen, zu vertiefen und eine gemeinsame Zukunft zu gestalten. Dabei formulierten die Schreibenden immer auch Erwartungen und Wunschbilder an das jeweilige Gegenüber und verhandelten Konzepte von Liebe und Ehe. Das macht Paarkorrespondenzen zu spannenden und aussagekräftigen Quellen, um eine Geschichte der Liebe, der Geschlechterbeziehungen und des ›privaten‹ Schreibens in der Moderne neu zu erschließen. Wie prägten sich wandelnde historische Kontexte dieses (Über) Liebe schreiben? Waren die in vielen Anleitungsbüchern empfohlenen Modelle ›des Liebesbriefs‹ oder die kulturelle Leitidee der romantischen Liebe in verschiedenen sozialen Milieus tatsächlich maßgeblich? Und welche Bilder von Weiblichkeit und Männlichkeit wurden in den Briefen figuriert?

In diesem aus einem österreichischen Forschungsprojekt entstandenen Bandes gehen Historikerinnen solchen Fragen für das 19. und 20. Jahrhundert auf der Basis umfangreicher popularer Paarkorrespondenzen nach. Bisherige kulturwissenschaftliche Studien zum ›Liebesbrief‹ werden um historische Dimensionen vielschichtig erweitert. Etwa bezogen auf Gefühlspraktiken werbender Männer in den 1860/70er Jahren oder auf bürgerliche Paare vor dem Hintergrund der Frauenbewegungen um 1900. Mit Korrespondenzen aus den 1920er Jahren kommt die Irritation bürgerlicher Geschlechter- und Ehenormen durch kameradschaftliche Modelle in den Blick. In den Briefquellen aus den experimentierfreudigen Nach-1968er Jahren wird die Transformation konventioneller Lebensentwürfe von ihrer intimen Innenseite her ausgelotet. Andere Beiträge behandeln den Wandel der Sprache des Sexuellen oder die Zeit der beiden Weltkriege in Hinblick auf kriegsspezifische ›Gefühlsregime‹ und Liebe im Kontext des nationalsozialistischen ›Vernichtungskrieges‹. Oder sie stellen die Frage nach dem Paar und seiner Vernetzung im familiären und sozialen Umfeld.

  • Kreisky Archiv, Heidi Niederkofler und Elke Rajal (Hg.): HILFE! Armut in der Vorstadt. Ottakringer Notstandssiedlung & Wiener Settlement. Begleitbuch zur Ausstellung, Wien 2016.
  • Online-Version der Publikation (PDF)

Das Buch beschäftigte sich mit dem 1901 gegründeten Sozialverein Wiener Settlement und der 1911 entstandenen Ottakringer Barackensiedlung. Anhand dieser beiden Institutionen wurden die historischen Umgestaltungsprozesse im städtischen Raum untersucht und mit aktuellen Entwicklungen in Zusammenhang gebracht.

Von Herbst 2014 bis Sommer 2016 forschte die Klasse 5C des GRG Maroltingergasse gemeinsam mit der projektleitenden Institution Kreisky-Archiv im Rahmen des Projekts „Melting Pot!?“ an dem Thema. Kooperationspartner:innen waren das Bezirksmuseum Ottakring und die Sammlung Frauennachlässe. Hier wird der von Elisabeth Malleier vermittelte Nachlass des Vereins Wiener Settlement bewahrt.

  • Li Gerhalter und Christa Hämmerle (Hg.): Krieg - Politik - Schreiben. Tagebücher von Frauen (1918-1950) (L'Homme Schriften Band 21), Wien/Köln/Weimar (Böhlau) 2015.
  • Link zur Redaktionsbeschreibung

Mit Beiträgen von Christa Hämmerle, Li Gerhalter, Veronika Helfert, Ingrid Brommer und Christine Karner, Helen Steele, Benjamin Möckel, Ulrich Schwarz, Brigitte Semanek und Arno Dusini.

Im 20. Jahrhundert haben mehr Frauen als jemals zuvor ein Tagebuch geführt. Sie taten das vor dem Hintergrund politischer Umwälzungen und der Katastrophe zweier Weltkriege, die sie ihren Aufzeichnungen – ganz anders als es der gängige Topos der Privatheit nahelegt – in komplexer Weise eingeschrieben haben. Die Beiträge dieses Buches zeugen davon. Sie führen in die Forschungsdiskussion ein und verweisen auf die Hybridität und Vielfalt des Genres Tagebuch. Es diente der Buchführung wie dem Selbstgespräch und der Dokumentation von Alltag, der Erinnerung, dem Bezeugen von Leid und Verfolgung sowie einer steten Selbstkonstruktion. Untersucht werden Tagebücher bekannter wie unbekannter Frauen – von Rosa Mayreder über Elise Richter bis hin zu einer Müllerin namens Theresia Vogt.

Die Niederösterreicherin Barbara Baumgartner (geb. Teuschl, 1851-1944) hat das einzige von ihr vorliegende Tagebuch im Zeitraum von April 1870 bis Mai 1885 verfasst. Es ist eines der ältesten in der Sammlung Frauennachlässe archivierten Tagebücher. Nikola Langreiter hat es im Rahmen dieses Projekts ediert.

Barbara - genannt Wetti - Teuschl war in Krems aufgewachsen. Die Eltern führten hier Fuhrwerksunternehmen. Mit ihrem Ehemann eröffnete sie verschiedene Geschäfte und Fachhandlungen in Wien und Krems, die sie jedoch jeweils nach kurzer Zeit wieder schließen mussten.

Bestand in der Sammlung Frauennachlässe

  • Christa Hämmerle und Li Gerhalter (Hg.) unter der Mitarbeit von Ingrid Brommer und Christine Karner: Apokalyptische Jahre. Die Tagebücher der Therese Lindenberg 1938 bis 1946 (L'HOMME Archiv, Band 2), Köln/Weimar/Wien 2010.
  • Link zur Redaktionsbeschreibung

Die Wiener Musikerin und Schriftstellerin Therese Lindenberg (geb. Trestl, 1892-1980) hat eine Fülle von verschiedenen Texten verfasst. Als Schreibende entwarf sie sich und die Menschen, mit denen sie lebte, ständig neu und verarbeitete so ihr eng mit der krisenhaften Geschichte des 20. Jahrhunderts verknüpftes Leben.

Auch während des nationalsozialistischen Regimes, als sie und ihre jüdische Familie lebensbedrohender Verfolgung ausgesetzt waren, schrieb Lindenberg Tagebücher. Diese wurden nun zusammen mit einer von Therese Lindenberg in den 1970er Jahren unter dem Titel "Die apokalyptischen Jahre" bearbeiteten Fassung von Christa Hämmerle und Li Gerhalter unter der Mitarbeit von Ingrid Brommer und Christine Karner ediert.

Bestand in der Sammlung Frauennachlässe

  • Christa Hämmerle und Edith Saurer (Hg.): Briefkulturen und ihr Geschlecht. Zur Geschichte der privaten Korrespondenz vom 16. Jahrhundert bis heute (L'Homme Schriften Band 7), Wien/Köln/Weimar 2003.
  • Link zur Redaktionsbeschreibung

Mit Beiträgen von Christa Hämmerle, Edith Saurer,  Beatrix Bastl, Heinz Berger, Monika Bernold undJohanna Gehmacher, Rebecca Earle, Konstanze Fliedl und Karl Wagner, Marie-Claire Hoock-Demarle, Margaretta Jolly, Elisabeth Joris, Meinrad Pichler, Edith Saurer, Margit Sturm, Juliane Vogel, Birgit Wagner und Benjamin Ziemann.

Private Korrespondenzen stellen ein Textkorpus dar, das in einer Bewegung Schreibende und Lesende, soziale Netzwerke und gesellschaftliche Bedürfnisse vorstellt. Frauen waren große Briefschreiberinnen; die Frauengeschichte hat sich daher früh für diese Textgattung interessiert. Unter neueren kulturgeschichtlichen Fragestellungen tritt die Bedeutung des Textes und der Kommunikation in den Vordergrund, und damit auch das Spannungsverhältnis von Erfahrung und Diskurs, Normierung und Praxis des privaten Schreibens.
Der Sammelband ist interdisziplinär und in die folgenden vier Abschnitte gegliedert: Literatur und Autorschaft; Briefe im Alltag - Alltag in Briefen; Briefe zwischen Wanderungen, Emigration und Exil; Briefe im und vom Krieg.

  • Monika Bernold und Johanna Gehmacher (Hg.): Auto/Biographie und Frauenfrage. Tagebücher, Briefwechsel, Politische Schriften von Mathilde Hanzel-Hübner (1884-1970) (L'Homme Archiv Band 1), Wien/Köln/Weimar 2003.
  • Link zur Redaktionsbeschreibung

Mathilde Hanzel-Hübner (1884-1970) war Vizepräsidentin des "Allgemeinen Österreichischen Frauenvereins" und die erste Frau in Österreich, die das Recht erkämpfte, als Gasthörerin an der Technischen Hochschule Wien zu studieren. In Auto/Biographie und Frauenfrage werden Selbstzeugnisse dieser Wiener Intellektuellen und Lehrerin von Monika Bernold und Johanna Gehmacher ediert und kommentiert. Die Autorinnen thematisieren in paradigmatischer Weise zentrale Geschlechterkonflikte des 20. Jahrhunderts und eröffnen neue Perspektiven auf die Geschichte der radikalen Frauenbewegung in Österreich.

Am Beispiel einer Frau der "zweiten Reihe" dokumentieren sie Kommunikationsformen und politische Strategien der historischen Frauenbewegung. Freundinnennetze und Liebesbeziehungen einer jungen, berufstätigen Frau vor dem Ersten Weltkrieg werden ebenso sichtbar wie die ambivalenten Stellungnahmen Mathilde Hanzel-Hübners zum Nationalsozialismus. Das Buch und die beigelegte CD-Rom bieten Texte und Kontexte, in denen die komplexen Zusammenhänge von Geschlechterpolitik und Biographie als Fragmente einer Auto/Biographie der Frauenfrage lesbar werden.

Bestand in der Sammlung Frauennachlässe

  • Bestandsbeschreibung vom Nachlass von Mathilde Hanzel-Hübner (SFN NL 1) im Onlinekatalog (Link)


Neues Logo der Sammlung Frauennachlässe 

 

Wir freuen uns, das neue Logo der Sammlung Frauennachlässe präsentieren zu können. Es wurde gestaltet von Gertrude Plöchl (Linz). Die Umsetzung war möglich durch eine finanzielle Spende von Mag.a Ursula Raschhofer (1971-2020, Altschwendt) an den Verein zur Förderung der Dokumentation von Frauennachlässen.


Nachruf auf Dr.in Traude Bollauf (1941-2020) 

 

Wir trauern um unsere Kollegin Dr.in Traude Bollauf (geb. Moik), die am 15. Oktober 2020 in Wien verstorben ist. Auf der Website der Österreichischen Gesellschaft für Exilforschung wurde ein ausführlicher Nachruf veröffentlicht (Link).

Traude Bollauf war der Sammlung Frauennachlässe in mehrerlei Hinsicht verbunden: Sie hat hier Recherchen für ihr erfolgreiches Buch "Dienstmädchen-Emigration. Die Flucht jüdischer Frauen aus Österreich und Deutschland nach England 1938/39" (Berlin u.a. 2010) durchgeführt und dabei u.a. mit dem Nachlass von Frances Nunnally (geb. 1923 als Franziska Hupptert) (Link) gearbeitet. Sie war zudem eine regelmäßige Besucherin unserer Veranstaltungen und hat schließlich auch den Nachlass ihrer Cousine Edith Lasar (1923-2012) (Link) an die Sammlung Frauennachlässe übergeben. Wir erinnern Traude Bollauf als kritische, feministische und herzliche Kollegin.


Forschungsliteratur

 

Neben Archivalien stellt die Sammlung Frauennachässe ihren Benützer:innen auch fachspezifische Literatur zu feministischer Auto/Biographieforschung zur Verfügung. Die Texte können vor Ort eingesehen und kopiert werden (Termine nach Vereinbarung).

Aktuell umfasst die Bibliothek insgesamt 1.944 selbständig oder nicht selbständig erschienene Titel. Themenschwerpunkte sind dabei Auto/Biographieforschung, Tagebuchforschung, Briefforschung, Feldpost und Paarkorrespondenzen sowie Fotografiegeschichte/-theorie. Die Forschungsliteratur wird erweitert um ausgewählte Editionen von Selbstzeugnissen von Frauen.

Die Zusammenstellung der Literaturlisten finden Sie hier ...